Dr. Armin Khonsari

Longevity Update

Longevity Update #1: Neue NMN-Daten und eine Altersuhr aus CT-Bildern

Neue Studien zum gesunden Altern und ein Blick auf die Medizin von morgen

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Dr. Armin Khonsari

/ 4. Okt 2026

Willkommen zum ersten Onaging Wochenupdate. Hier schauen wir gemeinsam auf neue Studien aus der Alternsforschung. Jede Woche wähle ich Arbeiten aus, die ich besonders interessant finde, und ordne ein, was ihre Ergebnisse für ein längeres, gesünderes Leben bedeuten könnten.

Zum Auftakt geht es um neue Daten zu NMN und eine Methode, das biologische Alter aus CT-Aufnahmen zu schätzen. Außerdem haben Forschende entdeckt, wie die Ernährung von Fruchtfliegenlarven noch das Leben der erwachsenen Tiere beeinflusst. Den Abschluss macht ein neuer Atlas des alternden Gehirns.

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Neue NMN-Studie: NAD⁺ im Blut steigt auf das 3,6-Fache

NMN ist als Nahrungsergänzungsmittel in der Longevity-Szene bekannt geworden. Damit verbindet sich die Hoffnung, altersbedingte Veränderungen zu verlangsamen und vielleicht sogar länger zu leben. Der Körper kann aus NMN das Molekül NAD⁺ herstellen, das unsere Zellen unter anderem benötigen, um Energie aus Nährstoffen zu gewinnen.

Eine neue Studie der Universität Tokio bestätigt, dass sich der NAD⁺-Spiegel im Blut durch die Einnahme von NMN deutlich erhöhen lässt. Dafür wurden 62 Menschen ab 65 Jahren zufällig einer NMN- oder einer Placebogruppe zugeteilt. Die Behandlung dauerte 24 Wochen. Unter der täglichen Einnahme von 1.250 Milligramm NMN stieg die NAD⁺-Konzentration im Blut auf etwa das 3,6-Fache.

Die Forschenden untersuchten außerdem, ob sich das Hörvermögen oder die körperliche Leistungsfähigkeit verbesserten. Dabei zeigte sich kein statistisch gesicherter Vorteil gegenüber Placebo. Ob die höheren NAD⁺-Werte langfristig auch der Gesundheit zugutekommen, bleibt offen.

Wie sich der Körper an frühe Ernährung erinnert

Unsere Ernährung als Kind könnte den Stoffwechsel noch Jahrzehnte später beeinflussen. Doch wie könnte sich der Körper so lange daran „erinnern“? Zwei neue Arbeiten an Fruchtfliegen zeigen, wie ein Protein eine solche Erinnerung an die frühe Ernährung vermitteln kann.

Fliegen, die als Larven weniger Protein bekamen, lebten später länger, obwohl sie als erwachsene Tiere wieder normales Futter erhielten. Dabei spielte Lsp2 eine zentrale Rolle. Dieses Protein speichert Aminosäuren, also die Bausteine von Proteinen. Nach der proteinarmen Ernährung in der Larvenzeit war auch in den jungen erwachsenen Fliegen weniger Lsp2 vorhanden. Verringerten die Forschenden gezielt die Bildung dieses Proteins, lebten die Tiere ebenfalls länger.

Die zweite Arbeit zeigt, dass Lsp2 mit mTORC1 zusammenwirkt. Über diesen Signalweg passen Zellen ihren Stoffwechsel an das Nährstoffangebot an. Die beiden Studien erklären damit genauer, wie die Ernährung über ein Speicherprotein die spätere Herstellung neuer Proteine und die Lebensdauer beeinflussen kann.

Für mich stellt sich damit die Frage, ob es beim Menschen einen ähnlichen Mechanismus gibt, der etwa das spätere Risiko für Übergewicht beeinflusst. Das haben diese Versuche nicht untersucht. Lsp2 hat beim Menschen kein direktes Gegenstück. Ob andere Proteine eine vergleichbare Aufgabe übernehmen, ist noch offen.

Eine neue biologische Altersuhr aus CT-Aufnahmen

Eine ohnehin vorhandene CT-Aufnahme könnte künftig auch verraten, wie weit der Körper biologisch gealtert ist. Das wäre eine Möglichkeit, Krankheitsrisiken früher zu erkennen und die Vorsorge gezielter darauf abzustimmen. Forschende haben nun eine solche Altersuhr entwickelt und anhand von Brustkorb- und Bauchaufnahmen von insgesamt 7.837 Erwachsenen geprüft.

Das Computermodell erfasst beispielsweise die Größe einzelner Organe sowie die im CT erkennbare Dichte von Muskel- und Knochengewebe. Aus diesen Messwerten schätzt es das biologische Alter. Anschließend untersuchte das Team, ob Menschen, deren biologisches Alter höher ausfiel als für ihr kalendarisches Alter zu erwarten, auch häufiger erkrankten.

Dieser Zusammenhang zeigte sich unter anderem für Bluthochdruck und Osteoporose. Die betreffenden Menschen waren zu Beginn frei von den untersuchten Erkrankungen und wurden über mehrere Jahre nachbeobachtet. Für Depressionen und Arthrose bot die neue Altersuhr dagegen kaum zusätzliche Aussagekraft gegenüber dem kalendarischen Alter.

Wie zuverlässig sich die Methode im klinischen Alltag einsetzen lässt, müssen weitere Untersuchungen zeigen.

Ein neuer Zellatlas für die Erforschung der Gehirnalterung

Um das Altern des Gehirns eines Tages gezielt beeinflussen zu können, müssen wir zunächst verstehen, was sich in seinen Zellen verändert. Ein neuer Zellatlas macht solche Veränderungen über die Lebensspanne hinweg sichtbar. Andere Forschungsgruppen können diese Daten nutzen, um nach möglichen Ansatzpunkten für Behandlungen zu suchen.

Für den Atlas untersuchte ein Forschungsteam die Genaktivität in mehr als 1,3 Millionen Zellkernen. Sie stammen aus dem präfrontalen Kortex von 284 verstorbenen Menschen unterschiedlichen Alters. Dieser Hirnbereich ist unter anderem an Planung und Entscheidungen beteiligt.

Während der Entwicklung veränderte sich die Genaktivität besonders stark. Im mittleren Erwachsenenalter waren die Muster vergleichsweise stabil. Im höheren Alter traten in bestimmten Zelltypen erneut Veränderungen auf, etwa bei Genen, die an Immunreaktionen beteiligt sind.

Anhand solcher Muster lässt sich nun genauer untersuchen, weshalb bestimmte Zellen im Alter anfälliger werden und welche Veränderungen mit neurodegenerativen Erkrankungen zusammenhängen. Langfristig könnten daraus neue Behandlungsansätze entstehen.

Literaturverzeichnis

NMN – klinische Studie
Igarashi, M., Naruse, K., Takaoka, Y., Miura, M., Kashiwabara, K., Sawada, M., Sekine, R., Kubota, N., Suzuki, M., Yoshida, Y., Shimizu, N., Yaku, K., Nakagawa, T. & Yamauchi, T. (2026). Sustained NAD⁺ augmentation by high-dose nicotinamide mononucleotide supplementation in older adults: a 24-week randomized, double-blind, placebo-controlled trial. npj Aging. Article in Press. https://doi.org/10.1038/s41514-026-00482-7

Lsp2 – wissenschaftlicher Kommentar
Partridge, L. (2026). Surprise protein links diet and lifespan in flies. Nature, News & Views. https://doi.org/10.1038/d41586-026-02774-0

Lsp2 – Ernährung in der frühen Entwicklung
Kosakamoto, H., Okada, R., Barker, C. S., Isomura-Matoba, A., Seita, J., Dohmae, N., Imami, K. & Obata, F. (2026). Lsp2 links early-life diet to adult translation and lifespan in Drosophila. Nature. https://doi.org/10.1038/s41586-026-11031-3

Lsp2 – mTORC1 und Lebensdauer
Wang, J., Cai, Z., Gu, J., Xiong, S., Yi, J., Yang, M., Chang, K., Ning, X., Wen, Y., Yan, Y., Lu, J., Wang, Y. & Zhai, Z. (2026). Lsp2 links mTORC1 to TOP mRNA translation and lifespan in Drosophila. Nature. https://doi.org/10.1038/s41586-026-11029-x

CT-basiertes biologisches Alter
Yu, Q., Hanaoka, S., Nomura, Y., Nakao, T., Takenaga, T., Takamatsu, A., Yoshikawa, T., Abe, O. & Ju, S. (2026). CT-based biological age as a biomarker of aging and age-related disease assessment. npj Aging. Article in Press. https://doi.org/10.1038/s41514-026-00523-1

Atlas des präfrontalen Kortex
Hui Yang, Tereza Clarence, Madeline R. Scott, Xinyi Wang, Prashant N. M., Milos Pjanic, Sanan Venkatesh, Aram Hong, Clara Casey, Sarah R. Murphy, Zhiping Shao, Marcela Alvia, Stathis Argyriou, Alexander Kawah Yu, PsychAD Consortium, Nadejda M. Tsankova, Pavan K. Auluck, Stefano Marenco, Vahram Haroutunian, Georgios Voloudakis, Jaroslav Bendl, Colleen A. McClung, Donghoon Lee, John F. Fullard, Gabriel E. Hoffman, Kiran Girdhar & Panos Roussos (2026). Lifespan single-cell transcriptomic atlas of the human prefrontal cortex. Nature, 657, 1003-1015. https://doi.org/10.1038/s41586-026-10271-7

Hinweis: Die Inhalte dienen ausschließlich der allgemeinen Information und Bildung. Sie stellen keine individuelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung dar und ersetzen nicht die Beratung durch eine Ärztin, einen Arzt oder eine andere qualifizierte medizinische Fachperson.

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